Europa: Tausende Demonstranten marschieren gegen die Sparpolitik Frankfurt bis Lissabon


 

Originaltitel:

Europe: milliers de manifestants contre l'austérité, de Francfort à Lisbonne


Quelle LEXPRESS.fr, veröffentlicht am 01/06/2013 um 22:05, aktualisiert um 22:05

Überetzung: Frank MÖRSCHNER, 7. Mai 2013

Im Rahmen eines europäischen Protesttages marschierten am Samstag tausende Menschen in Deutschland, Spanien und Portugal gegen die Sparmaßnahmen.

In Frankfurt am Main, Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB), die am selben Tag ihr 15. Jubiläum feierte, versammelten sich laut Polizeiangaben an die 7.000 Austeritätsgegner, die dem Ruf der antikapitalistischen Bewegung "Blockupy" folgten. Diese Informationen übermittelte uns ein Journalist der französischen Presseagentur AFP.

Die Veranstalter rechneten mit 20.000 Teilnehmern, aber konnten zur Stunde keine genaueren Zahlen liefern.

Es kam zu einigen Rangeleien. Die Polizei hatte für mehrere Stunden eine Gruppe von etwa hundert Demonstranten eingekesselt. Es wurde von ihnen verlangt, ohne Vermummung zu marschieren, denn einige verdeckten ihr Gesicht mit Schals, Kapuzenmützen und Tüchern.

 

Die Polizei ging mit Tränengas vor und führte aus diesem Grund die gesamte Gruppe ab. Die Demonstration sollte eigentlich mit einer Versammlung vor dem EZB-Gebäude abschließen.


"Wir sind hier, um ganz klar die Politik der Europäischen Zentralbank und der Troika (EZB, EU und Internationaler Währungsfonds) zu verurteilen. Diese Politik, die ganz entscheidend unter Einfluss der Bundesregierung steht, führt in eine Sackgasse", erklärt Roland Süss, Sprecher der Blockupy-Bewegung, die sich aus Gewerkschaften und linksgerichteten Organisationen zusammensetzt.

"Ich gehöre zur Babyboom-Generation und wir blicken auf ein relativ gutes Leben zurück. Jetzt aber kämpfen wir um unser eigenes Überleben", erklärt Marcia Frangakis dem AFP-Journalisten. Sie ist 62 Jahre alt und demonstriert unter der griechischen Flagge der globalisierungskritischen Organisation Attac. In Griechenland "sehen die Menschen nach fünf Jahren Krise keinen Ausweg mehr, sie sind verzweifelt. Wir brauchen wieder mehr Solidarität untereinander. Das Kapital ist zusammengeschweißt und stark, aber viele sprechen im Namen der Linken in Europa. Das macht die Sache nicht gerade einfacher", fügt sie hinzu.


Von Frankfurt bis Madrid


"Zusammen gegen die Troika" skandierten tausende Menschen im Klang der Trommeln und Trillerpfeifen auch in Madrid, am Sitz der europäischen Vertretung. Die Stimmung ist entspannt.

Wir sind hier, um gegen das Diktat der Troika anzukämpfen", sagt der 75 jährige Rentner Rafael Herguezabal dem AFP-Journalisten. "Die da oben regieren allein für das große Geld und gegen den Willen der Bevölkerung.
Die Regierungen in Europa tanzen nach der Pfeife der Troika. Dass die Arbeiter dabei immer armer werden ist ihnen völlig egal", schimpft er.

Die Gruppierung "Bürgerwelle" rechnete mit insgesamt 80 Ansammlungen in Spanien. Sie prangern das totale Versagen der Sparpolitik an. Sie verurteilen die von der Troika gewollten Zwangsräumungen, die Arbeitsreformen und die Privatisierungen. Sie verdammen die Troika, die im Gegenzug einer Bankenrettung von 43,3 Milliarden Euro den betroffenen Ländern ein Sparkorsett aufzwingt.

Die konservative Regierung in Spanien hat versprochen, die Staatsschulden im Zeitraum 2012 bis 2014 zurückzufahren. Sie hat Maßnahmen ergriffen, um 150 Milliarden Euro insbesondere im Bereich Bildung und Gesundheit einzusparen.


Die Troika ist auch Zielscheibe in Portugal

 

Im benachbarten Portugal buhten und pfiffen die Demonstranten die Sparpolitik aus. Es marschierten Tausende in Lissabon und in anderen wichtigen Städten des Landes.

"Troika raus!", "Regierung zurücktreten!", stand auf den Transparenten der Protestanten, die vor der Lissabonner IWF-Vertretung eine Rote Karte hochhielten.

"Schluss mit dieser Politik!" skandierten auch Demonstranten der Bürgerbewegung "Que se lixe a troika" ("Zum Teufel mit der Troika!" und einige Bürgerbewegungen, die sich gegen die Sparpolitik auflehnen. Dieses Sparprogramm läuft schon seit zwei Jahren und soll als Gegenleistung eine Finanzspritze von 78 Milliarden Euro sichern.

"Ich bin für ihre Fehler nicht verantwortlich. Es ist einfach ungerecht, wenn man hört, wie einige ihre Privilegien behalten, während die Bevölkerung ihren Gürtel enger schnallen soll!", beklagte sich vor dem AFP-Journalisten Manuel Oliveira, ein Sicherheitsangestellter.

Für Lissabon liegen keine Teilnehmerzahlen vor, aber in Porto, im Norden, marschierten nach Angaben der Polizei nahezu ein Tausend und drei Tausend laut Veranstalter.

 

Quelle: L'Express (Frankreich)