Telefonmitschnitt: Wie sich zwei Top Bank-Bankmanager der irischen Anglo Bank über die eigene Bankenrettung, die Bankaufsicht und die Deutschen lustig machen

 

 

Originaltitel:

Abuse the bank guarantee, don't get caught – David Drumm

Anglo bank chief's extraordinary comments to staff after bailout

 

Quelle:

 

2. Juli 2013

 

Übersetzung: Frank MÖRSCHNER, 3. Juli 2013

 

Der Chef der ANGLO Irish Bank, David Drumm, machte sich über das „Schröpfen“ der Bankgarantie lustig und warnte seine leitenden Angestellten, sich dabei nicht erwischen zu lassen, so ist es zumindest auf den ANGLO-Telefonmitschnitten zu hören.

Drumm hört man auch kichern, als einer seiner Führungskräfte die deutsche Nationalhymne zum Spott der deutschen Geldeinlagen singt, die wegen der Bankgarantie in die Kassen der Anglo Bank fließen.  

Der frühere Hauptgeschäftsführer der Anglo Bank gerät somit das erste Mal ins Fadenkreuz. Seine Ausdrucksweise und lässige Haltung angesichts der Krise mag vielen Lesern befremdlich vorkommen.

Die jüngsten Enthüllungen der Tageszeitung Irish Independent im Artikel „Inside Anglo“ zeigt die lässige, ja skrupellose Haltung, die in der Bank während des finanziellen Untergangs vorherrschte.

Mr. Drumm hört man lachen, als er über die Bedenken der Finanzaufsicht spricht, die befürchten, dass andere Länder die Garantieforderungen Ende 2008  für „unverschämt“ halten.

„Wir machen nichts Auffälliges, ... aber wir müssen unbedingt an das Geld ran. Wir brauchen das verdammte Geld. Holt es euch!“, sagte er einem seiner leitenden Mitarbeiter.
 
Zu dieser Zeit waren die europäischen Führer, einschließlich Kanzlerin Angela Merkel und UK Finanzminister, Alistair Darling, besorgt darüber, wie sich die Garantie auf ihre Banken auswirken könnte. Stattdessen sang Mr. Bowe spöttisch die deutsche Staatshymne "

„Deutschland über“ und sprach davon, wie er den britischen Sorgen den „Stinkefinger“ zeige.

Drumm und Bowe lachten über die Besorgnis, dass die Geldtransfers einen Keil zwischen Irland und den EU-Partnern treiben könnten. David Drumm meint zu seinem Kollegen: „Na und? Ist doch scheißegal! Hauptsache, die rücken mit der Kohle raus! Danach zeigst du ihnen den Stinkefinger!

Auf einer früheren Aufzeichnung macht er sich mit seinem Kollegen, Peter Fitzgerald, über die Verstaatlichung der Anglo Bank lustig. Darin malten sie sich die „prächtigen Aussichten“ aus, denn so würden sie ihre Jobs nicht verlieren und Beamte werden.

Dies ist der zweite Teil der Telefongespräche, die vom Irish Independent veröffentlicht wurden. Daran ist eine sonderbare Bankkultur zu erkennen, die während des Konkurses Ende 2008 hoch im Kurs steht.

 

Gestern haben wir gezeigt, wie Anglo-Manager, die mit der Zentralbank verhandelten, über das wahre Ausmaß der Anglo Bank-Verluste logen, um sich einen Barscheck zu sichern.

Die Veröffentlichung der Anglo-Mitschnitte befeuerten parteiübergreifend neue Forderungen, die Banken gründlich unter die Lupe zu nehmen.


Paul Williams  Special Correspondent (Sonderkorrespondent)

Irish Independent

 

 

AUSZUG AUS EINEM MITSCHNITT:

 

 

Zentrale: J. B.
Bowe: Hallo!
Zentrale: Hallo! Wie geht es Ihnen?
John Browe: Bestens. Ist David da?
Zentrale: Ja. (Warteschleife mit Musik.)
David Drumm: John.
Bowe: Grüß dich!
Drumm: Wie geht’s?
Bowe: Bestens.

Drumm: Was gibt’s Neues?
Bowe: Wir machen gute Fortschritte!

Drumm: Mit der Garantie hast du's ein bisschen übertrieben. In Deutschland zahlen sie auch zu viel, habe ich mir sagen lassen. Zum Totlachen, John!
Bowe: (singt) Deutschland, Deutschland über alles … (Beide brechen in Gelächter aus.)
Drumm: Ich hatte den Typen von der Finanzaufsicht heut an der Strippe … Ich sollte solche Telefongespräche mitschneiden, einfach aus Jux! Zumindest sollte ich das alles mitschreiben.
Bowe: Mich ist er auch angegangen.
Drumm: (äfft mit einer dümmlichen Stimme nach) „Verdammter Misst! Was ist denn nur los da draußen! Ich meine, die verdammten Deutschen haben uns jetzt auch noch auf dem Kieker, David.“ Er sagt: „Hast du am Fristende dubioses Geld vom Geldmarkt durchkommen sehen?“ Ich sage: “Keine Ahnung, was meinst du damit?“ (Bowe lacht sich schief) Er sagt: „Du weißt schon, das Zwei-Jahresgeld.“ Ich sage: „Äh?“ Und er: „Pass ja schön auf ... [die Deutschen] schauen uns auf die Finger.“ Daraufhin sage ich: „Du meinst 'Vorsicht bei Geschenken'? (Anspielung auf das Trojanische Pferd) Er sagt: „Genau! Genau! [Die Deutschen] wollen uns reinlegen, indem sie uns Geld schicken." So lasse ich mich gerne reinlegen!
Bowe: Nun, was er meint, ist das die UK-Banken uns reinlegen wollen, in dem sie das Geld zu uns lenken, um dann zu sagen: „Was haben wir denn da?! Gehört das nicht uns?“
Drumm: Ist doch Scheißegal. Nimm es trotzdem.
Bowe: Und ob!
Drumm: Zeige ihnen den Stinkefinger!
Drumm: Heut Morgen hab ich ihn über die Northern Rock angesprochen.
Bowe: Ach so?
Drumm: Ich sagte: “Die liefen mit der verdammten Union Jack-Flagge herum, eng um ihre Körper gewickelt, wie Overalls, und haben sich all ihre Einlagen geholt. Und wo war eigentlich unser scheiß Finanzminister?“ (weinerliche Stimme nachahmend) „Ich weiß, ich weiß – Ich krieg es hier von allen Seiten ab, David.“
Bowe: (Überhebliches Lachen.)
Drumm: Ich spiele ein bisschen Mitgefühl vor: „Oh mein Gott! “Schau, wir wollen nicht, dass du zu viel Stress kriegst. Wir tun unser Bestes. Es wird schon nichts auffliegen. Aber, … wir brauchen nun mal das Geld. Müssen es halt ganz geschickt anstellen ...”
Bowe: Ich habe denen bloß gesagt:  (überheblich) „Seid clever! Stellt euch nicht so an. Holt euch das Geld. Und verplappert  euch ja nicht, damit man euch danach nichts anhängen kann.
Drumm: Richtig.
Bowe: (nachäffend) „Auf jeden Fall muss die Liquidität nach oben.“
Drumm: (anspornend) Genau richtig! So muss es sein! Immer schön weiterpflegen.
Bowe: Auf jeden Fall! Jetzt habe ich ... Sorry, was wolltest du sagen …??
Drumm: Bringt das Cashflow nach oben, wollte ich sagen. (betont mit lustig aggressiver Stimme)  Treibt das verdammte Geld ein! Na los, macht schon! Her damit!
Bowe: Genau! Immer her damit!
Drumm: Was meinst du, wie sieht es mit dem Cashflow heute aus?
Bowe: Keine Ahnung. Ich bin die ganze Zeit im Meeting gewesen.
Drumm: Ah.
Bowe: Übrigens, ... deine Finanzstrategie habe ich erledigt: Kundeneinlagen, Garantiegrenze der Einlagen, wie wir mit hausinternen Einlagen umgehen, ... wie der Einzelhandel sich zusammensetzen soll, ... kurzfristige Finanzierung, wie viel Frist, etc. und Pepe. Wo wir unser Geld reinstecken mit Hinblick auf kurzfristige Forderungen. Willst du ’ne Kopie davon?
Drumm: Ja. Schickst du sie rüber?
Bow: Kein Thema!
Drumm: Und wenn ich alles Intus habe, treffen wir uns und besprechen das Ganze.
Bowe: Ok.
Drumm: Denn die Vorstandsitzung steht vor der Tür und ich bin noch gar nicht soweit. Aber wir müssen mit denen im Gespräch bleiben. Eigentlich dreht es sich mehr um Politik als alles andere.
Bowe: Stimmt. Ich schicke es gleich ab. Nun zu den Zahlen ... Heute treffen wir uns mit der oberen Chefetage und ich wollte die Zahlen mit anklingen lassen, weißt du ...? Um sie drauf einzustimmen, verstehst du?
Drumm: Genau!
Bowe: Sicher werden die sich über die Prozente streiten.
Drumm: Geht schon in Ordnung.
Bowe: Aber du weißt schon, worauf ich hinaus will.
Drumm: Klar. Wollte mir nur einen Überblick verschaffen.
Bowe: Ach so.
Drumm: Super.
Bowe: Tja…
Drumm: Danke! Bis später! Tschüss!
Bowe: Tschüss!
 

 


STICHWÖRTER

 

causing a rift between Keil zwischen etwas treiben, trennen
throughout the political spectrum parteiübergreifend
to spark fresh calls, sparked fresh calls erneut lautstark fordern; neue Rufe laut werden lassen; Forderungen neu befeuern






 

 

 

 

Empfehlenswerter Artikel darüber in den Nachdenkseiten von Jens Berger:

Über die gespielte Entrüstung von A. Merkel in den Leitmedien: "Ist Mutti  [Merkel] wirklich so naiv? Was glaubt sie denn, wie sich die Telefongespräche der Spitzenmanager von HRE, IKB und Commerzbank damals angehört haben?...."