Rasanter Anstieg ausländischer Ärzte in Frankreich

 

 

Originaltitel:

De plus en plus de médecins étrangers en France


Quelle: Le Figaro
Übersetzung: Freank MÖRSCHNER
Par AFP, AP, Reuters Agences, Service Infographie, 04/06/2013


Hintergrundinfo: - Ärzte, die ihr Diplom im Ausland absolviert haben, füllen die Personallücke in einigen Spezialgebieten und Regionen Frankreichs. Praktizierende Ärzte mit ausländischem Diplom sind keine Neuheit, hat aber in den letzten Jahren beispiellose Ausmaße angenommen. Dabei hat sich der Ärztebestand generell entspannt, so die französische Ärztekammer (Conseil national de l'ordre des médecins  – Cnom).


Nach den jüngsten Zahlen, die von der Cnom vorgelegt wurden, arbeiten in Frankreich 17.835 Ärzte mit ausländischem Diplom in regelmäßiger Anstellung, sprich 9 % aller praktizierenden Ärzte.


Deren Anzahl ist zwischen 2008-2013 um 43 % gestiegen, Tendenz steigend. Bis 2018 erwartet Cnom eine Zunahme von circa 34 %. Dieser Zuwachs ist in allen Regionen zu verzeichnen, insbesondere in Auvergne (Zentralfrankreich), wo sich die ausländische Ärztezahl nahezu verdoppelt hat.


Im Gegensatz zu ihren Kollegen mit französischem Abschluss ist der überwiegende Teil unselbstständig (63,5 % gegenüber 43,1 %).
Viele Krankenhäuser greifen auf sie zurück, um dem Fachärztemangel wie etwa in der Radiologie oder Anästhesie beizukommen.


Nordafrika und Rumänien


2012 hat knapp ein Viertel der bei der Ärztekammer neu eingetragenen Ärzte ein ausländisches Diplom (wovon 11,4 % europäisch und 12,7 % nicht europäisch).


Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass sie ausländische Staatsbürger sind: Um den Numerus clausus zu umgehen, legen eine Reihe französischer Studenten ihr Doktorat in Belgien, Rumänien oder Bulgarien ab. (Der Numerus clausus begrenzt die Studentenzugänge im ersten Jahrgang.)


Global gesehen sind Algerien mit 22,2 %, Rumänien mit 17,7 % und Belgien mit 8,9 % Spitzenreiter. Syrien, Marokko, Tunesien, Deutschland, Italien und Spanien vervollständigen die oberste Liste.
Bei diesen Zahlen bleibt allerdings die „erhebliche Anzahl“ ausländischer Ärzte unberücksichtigt, die in Krankenhäusern als Aushilfe fungieren. Diese sind nämlich bei der Ärztekammer nicht gemeldet, unterstreicht Dr. Patrick Romestaing, der in der Ärztekammer für demographische Fragen zuständig ist. Ihm zufolge lässt sich die Zahl nicht „näher bestimmen“.



„Das sollte uns wirklich stutzig machen, denn diese praktizierenden Ärzte werden völlig illegal eingestellt, um die freien Arztstellen zu besetzen, oft unter dem Druck der lokalen Abgeordneten, unbedingt ihre Krankenhäuser über Wasser zu halten“, behauptet Dr. Lemann. Das Problem: Ihre akademischen Abschlüsse werden nicht überprüft und ihr Gehalt liegt unter dem ihrer französischen Kollegen.
Allein die Abschlüsse aus der EU werden in Frankreich anerkannt. Seit 2012 ermöglicht jedoch ein Gesetz den Ärzten, die ihr Medizinstudium außerhalb der EU abgeschlossen haben, bis Ende 2016 ihre Tätigkeit in den Krankenhäusern fortzufahren, wenn sie eine bestimmte Dauer ihrer Beschäftigung nachweisen können. In dieser Zeit können sie eine Prüfung ablegen, um ein gleichwertiges Diplom wie das ihrer französischen Ärzte zu erlangen.

(Unter Mitwirkung der französischen Presseagentur AFP)

 

Quelle: Le Figaro

Übersetzung: Frank MÖRSCHNER, Mai 2013